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26. August 2019

Ratsantrag zur Begehung eines historisch nachweisbaren 750-Jahre-Stadtjubiläums, im Jahre 2022. Fortsetzung der Jubiläumstradition von 1972.


W

Ratsfraktion WP – Werler Protestwähler                                    Werl, 05.08.2019

Bürgermeister der Wallfahrtsstadt Werl
Hedwig-Dransfeld-Straße 23-23a
59457 Werl

Ratsantrag zur Begehung eines historisch nachweisbaren 750-Jahre-Stadtjubiläums, im Jahre 2022. Fortsetzung der Jubiläumstradition von 1972.

Das historisch korrekte 700-Jahre-Jubiläums Denkmal, zur
              Erinnerung an die erstmalige Erlangung der Stadtrechte,  im
              Jahre 1272.

.

             Begründung:

Trotz aller Bemühungen und Versuche ist das angebliche „800-Jahre-Jubiläum“ der Stadt Werl, bzw. eine Verleihung von Stadtrechten  für das Jahr „um 1218“, durch keinerlei Urkunde oder historische Quelle irgendwie zu belegen. In der  sehr wohlwollend formulierten Stellungnahme des Vorsitzenden der Historischen Kommission für Westfalen, bezüglich des 1218 Datums, tauchen genau deshalb auch  Vokabeln wie „vermutlich“ und „um 1218“ auf!  Auf der Internetseite der Stadt Werl  wird allerdings permanent der falsche Eindruck erweckt, als sei diese Vermutung inzwischen ein Faktum geworden, dem ist  nicht so! 

Das von Engelbert I den Werler Salzkochern nachweislich gewisse Rechte verliehen wurden, dies sollte wohl besser nicht dazu führen, in diesem Zusammenhang von „Stadtrechten“ für den Ort „Werle“ zu sprechen! Auch der entsprechende  Brief an die Werler Salzkocher (1246) ist überhaupt kein Beleg für einen Ort, dem bereits  jemals Stadtrechte  verliehen worden sind.  

Der bekennende Albingenserkreuzfahrer, Engelbert I, war historisch betrachtet ein nach Macht strebender Lokalherrscher, der nur wenig Interesse an freien Städten gehabt haben dürfte. Hierfür spricht etwa, dass die Soester Bürger, als sie vom gewaltsamen Tode Engelberts (1224) erfahren, unverzüglich dessen Zwingburg in Soest zerstören. Die „alte Soester Kuhhaut“, die erste schriftliche Niederlegung von mittelalterlichen Stadtrechten für Soest, erfolgt , wohl kaum zufällig, auch erst nach dem Tode Engelberts I. Keine benachbarte Stadt von Werl beruft sich übrigens auf den angeblichen „Stadtrechteverleiher“ Engelbert I – warum dürfte wohl klar sein! 

(Unna, Aufstieg zur befestigten Stadt ab 1275; Hamm – Bestätigung der Stadtrechte 1279; Lippstadt – Stadtrecht nach Soester Vorbild 1260; Arnsberg – Verleihung der städtischen Freiheit durch Graf Gottfried III 1237; ) Ganz anders sieht es mit dem richtigen Verleihungsdatum der Werler Stadtrechte, vom 26. Februar 1272, durch Engelbert von Heinsberg-Valkenburg (1220-1274) aus, der als Engelbert II von 1261-1274 Erzbischof von Köln war. Engelbert der II hatte machtpolitisch eine eher unglückliche Hand, die Verleihung von Stadtrechten,  um sich die Gunst von Orten zu sichern, passt zur andauernden, höchst prekären Lage dieses Kölner Erzbischofs. Die am 26. Februar verliehenen Werler Stadtrechte  sind urkundlich im Werler Stadtarchiv erhalten und somit eindeutig bewiesen! Viel wichtiger ist jedoch, dass ganz wesentliche Kriterien für den Prozess einer mittelalterlichen Stadtwerdung tatsächlich auch erst nach 1272 für Werl beweisbar sind! Die ersten Werler Bürgermeister werden erst ab 1280 genannt. Die Stadtbefestigung, Ringmauer mit Graben, ist erst nach 1272 datierbar. Ein durch Mauern geschütztes Gemeinwesen  und eigene Bürgermeister sind entscheidende Kriterien für eine städtische Selbstverwaltung, die vor 1272  nicht nachweisbar ist. (Auch der in den 50èr Jahren in Soest entdeckte Typar ist erst nach 1272 datiert worden.)

Grabplatte von Engelbert II, er verlieh am 26.2.1272 dem Ort
               „Werle“ erstmalig die  Stadtrechte.

Ausgehend von dieser vollkommen eindeutigen, historischen Faktenlage  muss man sich ernsthaft fragen, warum eine Stadt auf die „Schnapsidee“ kommen konnte, ihre urkundlich belegbare Stadtrechteerlangung  von 1272, samt einer bereits bestehenden Jubiläumstradition, so mir nichts dir nichts über Bord zu werfen? War es gar für den amtierenden Werler Bürgermeister opportun, einmal den „um 800-Jahre- Bürgermeister“ zu geben?

Wieso wurde für eine derart spekulative Veranstaltung leider auch wieder viel  Steuergeld ausgegeben? Eine Stadt, die derart vehement die historische Faktenlage, in Bezug auf ihre historisch gesicherte Erhebung zur Stadt,  außer Acht lässt, eine solche Stadt macht sich leider auch insgesamt unglaubwürdig.

 Das inzwischen zwei unterschiedliche  Jubiläumsdenkmäler in Werl an unterschiedliche Stadtrechteverleihungen erinnern, dies ist ganz grundsätzlich fast schon ein gewisser Schildbürgerstreich. Besonders ältere Werler Bürger/innen, die die großen Jubiläumsfeiern von 1972 erlebt haben,  müssen sich doch ernsthaft fragen, was mit dieser Stadt eigentlich inzwischen  los ist. Das auf der Internetseite der Stadt Werl andauernd der Eindruck erweckt wird, das 1218 Datum sei historisch gesichert, dies ist falsch, noch ungeheuerlicher ist jedoch, wenn hier sogar der Eindruck erweckt wird, als sei das 700-Jahre-Jubiläum von 1972 quasi ein erfundenes Datum, weil man eine kommunale Neugliederung hätte zeitnah feiern wollen?

 Im Sinne einer glaubwürdigen Werler Geschichtsschreibung und im Sinne der historisch vollkommen richtigen  Werler Jubiläumsfeiern von 1972, sollte der Werler Stadtrat endlich den Fakten Gehör schenken, dem  „um 800-Jahre-Unsinn“  die rote Karte zeigen und jetzt offiziell beschließen, die alte Jubiläumstradition 2022, mit einer entsprechenden 750-Jahre-Feier, fortzusetzen.

Die unbewiesene  „ Um-1218-Spekulation“ darf und muss in diesem Sinne bestenfalls als eine unbewiesene Hypothese zur Werler Stadtgeschichte betrachtet werden, eine Hypothese, die bereits seit dem 19.Jahrhundert besteht und in der ganzen Zeit niemals seriös bewiesen werden konnte.

Die (aktuell) historisch falschen Stadteingangsschilder sollten 2022 mit der richtigen Jubiläumszahl -750- einfach überklebt werden. Der  Jubiläumsstein vor St. Walburga sollte zur allgemeinen Belustigung der Bürger/innen mit einem entsprechenden Hinweis versehen werden, dass es sich bei diesem Stein um einen  „ historischen Spekulationsstein“   handelt,  der die Werler Bürger/innen leider  auch wieder  mehrere tausend Euro gekostet hat,

Mit freundlichen Grüßen.

Matthias Fischer

Fraktionsvorsitzender der Ratsfraktion WP

 

 

2 Antworten “Ratsantrag zur Begehung eines historisch nachweisbaren 750-Jahre-Stadtjubiläums, im Jahre 2022. Fortsetzung der Jubiläumstradition von 1972.”

  1. Torsten
    8. August 2019 am 12:39

    Js die Oberschlauen bei der Stadtverwaltung erfinden jetzt sogar ein neues Jubiläumsdatum. Preising hat 1972 auf den historischen Meilenstein der 1272èr Stadtrechteverleihung hingewiesen… aber die Neunmalklugen im Werler Rathaus wissen es wie immer besser. Das sich der Werler Stadtrat hierzu ebenfalls vollkommen gleichgültig verhält ist wirklich empörend, es zeigt meiner Meinung deutlich, wie viel (wenig) diese Stadt den Herrschaften da wohl in Wahrheit bedeutet! ?

  2. Froschkönig
    9. August 2019 am 18:05

    Irre, irrer, noch irrer, noch viel mehr irrer, Werl!
    Bei der Zahl 800 stimmt wohl lediglich die unverschämte Höhe der Grundsteuer in Werl! Was hat dieser erfundene Käse denn eigentlich die Bürger wieder gekostet? ( Vielleicht kann da mal jemand hier bitte Zahlen dazu veröffentlichen!?)

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