Gehe zu…
on YouTubeRSS Feed

15. November 2019

Schwere Kritik an „Tafelwette“ des Werler CDU-Bürgermeisters


Nach einer  „Tafelwette“ des Werler Bürgermeisters Grossmann  hagelt es

weiterhin harsche Kritik. Ist es angebracht, wenn ausgerechnet ein hoch dotierter CDU-Politiker/Wahlbeamter  (Laut Besoldungstabelle NRW  bekommt ein Bürgermeister einer Stadt mit 30-50.000 Einwohnern die  Besoldungsgruppe B5 oder in Zahlen 8767,10.- Euro/Monat + 319,- Euro/Monat Aufwandsentschädigung) öffentlichkeitswirksam den „die Armen speisenden Samariter“ mimt!? Ist es nicht in Wahrheit eher zynisch, wenn ausgerechnet politische Systemvertreter mit Topbezügen dann auch noch  „Wetten“  zur Beschaffung von Nahrungsmitteln, für  vom selben, politischen System  in  Armut getriebene Mitmenschen/Rentner/Familien/Kinder…, durchführen? Sieht so etwa glaubwürdiges (christliches oder humanistisches) Teilen aus? Wie wäre es mit einer anderen Politik, die Armut und Hunger in diesem reichen Land ( knapp 1,4 Millionen echte Millionäre 2018) vorbeugt und verhindert Herr Grossmann? Das die dem aktuellen Zeitgeist des marktradikalen Neoliberalismus/Neofeudalismus entsprechende, private „Armenspeisung“ inzwischen  von ca. 1,5 Millionen Mitbürgern in Anspruch genommen wird/werden muss, hierüber sollten sich vielleicht auch einmal CDU-Politiker selbstkritischere Gedanken machen!?  Wie fühlt sich ein Mensch, der ausgegrenzt und verarmt in einem Tafelladen um Nahrung anstehen muss, ein Mensch, der quasi von den Resten einer Wegwerfgesellschaft und  „dem guten Willen der guten Reichen“ leben soll und muss? Wann hat der Werler CDU-Bürgermeister zum Beispiel jemals die vielen, skandalös niedrigen Armutsrenten oder etwa die vielen, viel  zu niedrigen Löhne der Leiharbeiter oder Geringverdiener, oder die Hartz IV-Sätze in diesem „reichen“ Land öffentlich kritisiert? In diesem Zusammenhang ist das ausgezeichnete Buch „Schamland“,des Professors für Soziologie Stefan Selke, zu empfehlen, in diesem  Buch wird deutlich herausgearbeitet, was das „Tafelsystem“ in Wahrheit ist und wie sich Betroffene fühlen.

Das kritische Leserbriefe zu dieser (wieder ausführlich-unkritisch in den Lokalmedien berichteten) „Wette“ bis heute nicht veröffentlicht wurden, veranlasst die WP!, hierzu u.a. den kritischen Beitrag des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Manfred Such an dieser Stelle zu veröffentlichen.

 

Hier der Brief von Herrn Manfred Such:

Sehr geehrter Herr Grossmann,

mit Befremden haben wir Ihre „Tafelwette“ zur Kenntnis genommen.

Bereits bei der Aktion der sympathischen Schülerinnen in der letzten Woche, über die der Anzeiger berichtete, die in ihrer Unschuld und ihrem Unwissen über die Ursachen von Armut eine Spendenaktion starteten, wäre ein Wort an die Eltern und Lehrer der Mädchen zu richten gewesen.

Nach dem Motto, „selig sind die Armen“ und „eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr…“ scheint Armut zu einem Privileg für letzte Seligkeit zu werden. Daran will man natürlich teilhaben und wettet um Spenden, damit man als Reicher nicht auf dem Kamel sitzt?

Dass Sie dann noch das vollmundige Versprechen nicht eingelöst haben, einen ganzen Tag den Tafelmitarbeitern zu helfen, dürfte daran gelegen haben, dass Sie die Wette ja eigentlich gewonnen haben?  Eine „gute halbe Stunde“ hat es Ihnen „Spaß“ gemacht, Lebensmittel an Bedürftige zu verteilen, an deren Situation Ihre Partei, die SPD und die Grünen nicht ganz unschuldig sein dürften? Dass jemand mit seiner Bedürftigkeit abhängig vom Tafelwesen in Deutschland wird und zu hören bekommt, dass man von der Tafel profitiere, dürfte der blanke Hohn sein. Wie ist es, wenn man in einer Kleinstadt für gut 1000 Bedürftige mitverantwortlich ist?  Lassen Sie die von der Tafel abhängigen Menschen zu Wort kommen, außer, dass sie gerne eine Cola vom Bürgermeister hätten? – wie der Anzeiger berichtet.  Was tun Sie, die Tafeln überflüssig zu machen in diesem reichen Land? Wie Sie wissen dürften, und Armutsforscher festgestellt haben, sind die Tafeln ein moralisches Unternehmen geworden und haben sich von der Hilfe für Obdachlose hin zu einem wachstumsorientierten Konzern entwickelt, der Marketing betreibt und unterschiedliche Zielgruppen anvisiert. Moralische Reputation ist das Unternehmensziel, und sehr viele Leute haben etwas davon, sagen die Armutsforscher. Die Kernfrage dürfte sein, inwieweit sich die Politik mit Hilfe der Tafeln aus der Verantwortung für eine Grundversorgung Bedürftiger stiehlt und bei der Armutsbekämpfung versagt. Tafeln sind weder sozial noch nachhaltig! Die für die Lebensmittelindustrie imagefördernde und kostensparende Entsorgung der Überschüsse durch die Tafeln löst aber weder das Überschuss- noch das Armutsproblem.

Darüber hinaus hat sich die Umweltbewegung aus dem Nachhaltigkeitsgedanken der Tafel „bemächtigt und will den Leuten Glauben machen, dass Lebensmittelverschwendung und Armut durch die Tafeln zu überwinden sind. Darum dürfte sich Konstanze Kubath offenbar für wichtig erachtet haben, bei Ihrer eigentlich so gar nicht gewollten Einlösung Ihrer Wette anwesend zu sein.

Es bleibt die Vermutung, dass es Politikern mal wieder um einen Fototermin zur Imageverbesserung gegangen sein dürfte. Dass Sie und Frau Kubath die prekäre Situation von fast 1000 Bedürftigen in Werl politisch für Ihre Zwecke instrumentalisieren, halten wir für beschämend.

5 Antworten “Schwere Kritik an „Tafelwette“ des Werler CDU-Bürgermeisters”

  1. Mark F.
    8. November 2018 am 16:43

    In Deutschland hat sich inzwischen eine regelrechte Armutsökonomie herausgebildet, in der sich die „Helfer“ selber feiern und die Hilfsbedürftigen oft als Menschen 2. Klasse behandelt werden. Warum soll ein „Staat“, der inzwischen durch und durch privatisiert ist, mehr in benachteiligte Menschen investieren, die ökonomisch keinen Nutzen mehr haben und einfach mit aussortierten Lebensmitteln abgespeist werden können. Wenn sich hier also ein üppig alimentierter „Wahlbeamter“ – mit fragwürdiger , politischer Leistungsbilanz- hinstellt und öffentlichkeitsheischend „Armenspeisung“ betreibt, so ist dieses Handeln doch wohl recht glaubwürdigkeitslos und in gewisser Art an Selbstgerechtigkeit kaum zu überbieten?!

  2. Svenja
    9. November 2018 am 09:41

    Vielen Dank für diesen guten und richtigen Beitrag. Die sog. „Tafeln“ sind Orte der „Scham“ und tragen systematisch zur Stigmatisierung armer, benachteilgter, oftmals auch psychisch angeschlagener Menschen bei. Das Verhalten von den beschriebenen Kommunalpolitikern zeugt von einer geheörigen Portion Naivität – freundlich formuliert. Von den Tafelnutzern wird Freundlichkeit, Demut und Dankbarkeit für die „guten Gaben“ erwartet, denn es besteht keinerlei Rechtsanspruch. Die Menschen werden beschämt, ein positives Selbstwertgefühl oftmals verunmöglicht. Tafeln müssen als Armutsskandal benannt und umgehend durch eine entsprechende Grundsicherung abgeschafft werden. Diese menschenunwürdigen Armenspreisungen/Resteverteilungen auch noch mit einem positiven, zivilgesellschaftlichen Engagement zu verbinden – was in der Berichterstattung massiv in den Vordergrund gestellt wurde – ist infam und unterstützt nur die weitere Demontage eines sozialen Rechtsstates.

  3. Pater noster
    10. November 2018 am 08:32

    Lügen über Lügen!
    In diesem angeblich florierenden Land wird auf „Tafel“ komm raus gelogen! Diese Lügerei beginnt bereits bei den offiziellen Arbeitslosenstatistiken, die nichts über die wahre Arbeitslosigkeit/Unterbeschäftigung und absolut nichts über die monatlichen Arbeitseinkommen verraten. Was die Seriösität der offiziellen Verlautbarungen hier angeht, so dürfte inzwischen bereits unteres DDR-Niveau herrschen – ohne damit die DDR beleidigen zu wollen, denn hier mussten Rentner keine Pfandflaschen sammeln und konnten sogar verreisen, was viele BRD-Rentner schon alleine wegen ihren Armutsrenten nicht können. Aber die Seifenblase wird bald platzen, wenn man -höchst amüsiert- sieht, wie verzweifelt die EZB mit Daueraufkäufen von Anleihen die Großkonzerne künstlich am Le ben hält, wie die Eigenkapitalquoten der „Banken“ wegschelzen…. ja noch profitieren hier recht viele (auch manche Rentner/Pensionisten) von der Illusion des Papiergelddruckens, einfach weil sie sich in den entsprechenden Positionen befinden/befanden und hier ihre selbstbeschlossenen Bezüge absahnen oder über ausreichend Kapital verfügen – ein ererbtes Mehrfamilienhaus in München reicht z.Bsp., um sorgenfrei ohne jemals einen Finger zu krümmen, sich das ganze Jahr die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen! – mit Leistung hat die „soziale Stellung“ in diesem neofeudalistischen Ausbeutungssystem meistens also nichts zu tun – Aber der Euro wird den Weg zu seinem inneren Wert früher oder Später finden und dann werden plötzlich auch 3-4000,- Euro Ruhestandsbezüge nur noch für das sprichwörtliche „Süppchen“ reichen….. …. WETTEN!

  4. Maria
    11. November 2018 am 10:34

    Der Brief von Herrn Such trifft genau in`s Schwarze!
    In Deutschland sind immer mehr Menschen arm, obwohl sie arbeiten – oft sind dies Jobs Teilzeitbeschäftigungen. In der Statistik werden diese Jobs dann als Erfolg gefeiert, aber die sog. „Tafeln“ zeigen ein anderes Bild: dort holen sich immer häufiger Berufstätige ihr Essen. Abgesehen davon ist inzwischen jeder vierte „Kunde“ dort Rentner! Ist das etwa die Umsetzung des verfassungsrechtlichen Sozialstaatgebotes? „Tafelengagement“ hat in diesem Sinne meiner Meinung nichts mit einem glaubwürdigen, sozialen Engagemnet zu tun – hier dann auch noch hoch bezahlte Bürgermeister bei der Essensausgabe zu sehen, das ist tatsächlich der blanke, moraline Hohn!

  5. Fischer Marc.
    4. Dezember 2018 am 16:08

    Guten Tag Zusammen,
    sehr gern lese ich die Beiträge von Berit und Manfred Such.
    Absolut mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen …bitte weiter so!

    Viele Grüße nach Løkken bzw. Dortmund

    Eure Fischer-Truppe aus Werl

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Weitere Geschichten ausAllgemein