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20. September 2019

UNBEDINGT LESEN! DER „800-JAHRE-LÜGENSTEIN“ AUF WERLER STEUERZAHLERKOSTEN !


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Bereits der einstige Werler Oberstudiendirektor, Heimatforscher und ehrenamtliche Stadtarchivar Rudolf Preising  verwies in seiner Festansprache, zum  700 jährigen Stadtjubiläum der Stadt Werl 1972, auf den historischen „Meilenstein“, den die Verleihung des Rüthener Stadtrechtes durch den Herzog von Westfalen, Engelbert den II,  im Jahre 1272 für Werl und seine Bürger bedeutete. Die Bedeutung der Verleihung des Rüthener Stadtrechtes war tatsächlich der entscheidende Meilenstein zur Stadtwerdung von Werl, denn erst hierdurch entstanden erstmals freie, fast demokratische Verwaltungsstrukturen, wie etwa ein frei von der Bürgerschaft gewählter Rat oder das Amt eines gewählten Werler Bürgermeisters, eigene Steuerfreiheiten, Marktfreiheit, eigenes Befestigungsrecht etc.. Die Bedeutung der  im Februar 1272 verliehenen Stadtrechte und damit verbundenen Privilegien war derart groß, dass sich die Werler Bürgerschaft diese entscheidende „Rechtsbewidmung“ im Laufe der folgenden Jahrhunderte sage und schreibe vierzehnmal von den jeweiligen Landesfürsten immer wieder neu bestätigen ließ. Was aber passiert aktuell in Werl? In Werl ist man, offenbar unter der  Fuchtel eines (freundlich formuliert) profilierungsbeflissenen CDU-Bürgermeisters und mit stiller Zustimmung gewisser, teilweise erzkonservativer Kreise, nun dazu übergegangen, die Gründung der Stadt einem  historisch fragwürdigen, machtbesessenen Erzbischof/“Ketzerkreuzfahrer gegen die Katharer“, nämlich  Engelbert I, zuzudichten. Darum heißt das neue offizielle Gründungsdatum jetzt auch ganz lapidar „um 1218“!  (Anm.:Auf dem Lügenstein verzichtet man sogar jetzt ganz dreist  auf das „um“!) Dumm nur, dass es für dieses neue,  1218 Datum absolut keine historischen Dokumente, Quellenangaben oder sonstigen Beweise gibt – ganz im Gegensatz  zu der  genau datierten Verleihungsurkunde der  Stadtrechte, vom 26. Februar 1272, die bis heute im Werler Stadtarchiv aufbewahrt wird und wegen der  man 1972 auch  eine große 700-Jahre-Feier beging. Auch interessant zu wissen, dass in Folge des gewaltsamen Todes (1225) dieses neu erfundenen „1218 Stadtvaters „ , die Soester Bürger  als erstes dessen Zwingburg niederrissen – offenbar sahen die Soester Bürger in  Engelbert I  wohl kaum den Begründer irgendwelcher freien Stadtrechte!? Auch wird immer behauptet, Engelbert I sei doch ganz allgemein der „große, regionale Städtegründer“ gewesen, nur komisch, dass sich weder Unna, Soest, Lippstadt, Arnsberg, Hamm auf diesen angeblichen Städtegründer  berufen?   Auch die historische Tatsache, dass die Ortschaft „Werle“  um 1218 noch unter der Mitkontrolle der Grafen von Arnsberg stand und eine Erhebung zur Stadt wohl zumindest deren Einwilligung bedurft hätte, haben die „um-1218-Fantasten“ offenbar glatt übersehen?

In Bezug auf die Geschichtsschreibung der Stadt Werl ist diese erfundene 800-Jahre-Feier somit leider nicht nur peinlich und überflüssig, sondern leider auch ein  schmerzlicher Beleg, wozu politische Geltungssucht in Verbindung mit allgemeiner Gleichgültigkeit, Gedankenlosigkeit und/oder unkritisch-konformistischem Jasagertum hinführt?

Die kritischeren und an ihrer städtischen Historie ehrlich interessierten Werler Bürgerinnen und Bürger  sollten darum besser nicht auf diese  800-Jahre-Ente hereinfallen und weiterhin auf das wahre Gründungsdatum der Stadt, vom 26.2.1272, bestehen. Das herbei-gedichtete 800-Jahre-Jubiläum ist somit nichts weiter, als ein schwerer Affront, sowohl gegen die historische Wahrheit

, als auch  gegen den historisch-demokratischen Werdegang unserer lieben Heimatstadt Werl. Das nun  sogar vor der Propsteikirche ein vom Werler Steuerzahler bezahlter, teurer  „800-Jahe-Lügenstein“  eingeweiht wird, es ist wahrlich befremdlich! Das sich für eine derartige Geschichtsklitterung nun auch noch ein amtierender Bischof zur  offiziellen Einweihungsfeier „einspannen“ läßt, dies ist aus Sicht der WP! jedoch wirklich kaum noch nachvollziehbar. Vielleicht wird es jedoch verständlicher,  wenn man bedenkt, wie „Kirche“ insgesamt mit ihrer eigenen, oft höchst hinterfragungswürdig-unwürdigen Geschichte umgeht, dass etwa mitten im Paderborner Dom bis zum heutigen Tage ganz unkritisch einem wahren Teufel in Menschengestalt, mit einem ca. 16 Meter hohen Bischofsgrabmal/Epitaph gedacht und dadurch Ehrehrbietung bekundet wird, einem menschlichen Teufel im einstigen Fürstbischofsgewand, der 1604 den  einzigen protestantischen Bürgermeister von  Paderborn, Liborius Wichard, bestialisch vierteilen ließ, dessen Kopf und Extremitäten an den Stadttoren zur Schau stellen ließ und ebenfalls in viele, äußerst grausame und höchst verbrecherische Hexenprozesse  maßgeblich  verstrickt war. Der neue Werler „800-Jahre-Lügenstein“ ist darum bereits jetzt schon ein eindrucksvolles Fanal auch für die absolute Notwendigkeit von  tiefgreifenden, geistig-intellektuellen Reformen in  dieser schwer gebeutelten Stadt! Absolut notwendige Reformen, die es ohne eine Konsequente Abwahl von CDU, SPD, BG, FDP jedoch wohl kaum jemals  geben dürfte? Selbstverständlich wird die WP!-Ratsfraktion sämtlichen „Feierlichkeiten“ dieses unverschämten Pseudojubiläums -wegen den bereits schon dargelegten Umständen – fern bleiben, denn wie sagte es einst schon der überragende christliche Theologe und Humanist, Verfechter der Menschenrechte und erste deutsche Sozialreformer, Thomas Müntzer:“ Die Grundsuppe der Dieberei sind unsere Herren und Fürsten, nehmen alle Creaturen zu ihrem Eigenthum, die Fisch im Wasser, die Vögel in der Luft, das Gewächs auf Erden muß alles ihre seyn. Aber den Armen sagen sie: Gott hat geboten, du sollst nicht stehlen! Sie selber schinden und schaben alles was da lebt; so aber ein Armer sich vergreift am Allergeringsten, muß er henken. Dazu sagt dann der Doctor Lügner Amen. Es wird darum kein Bedenken oder Spiegelfechten helfen. Die Wahrheit muß hervor!“

 

Anm.: Das aktuell Karten für den diesjährigen „Jubiläums-Stadtempfang“ in der Werler Stadthalle -unter großem Pressegetöse- verlost werden ist übrigens ebenfalls eine Frechheit! Die WP! Fraktion fordert bereits seit vielen Jahren einen öffentlichen Stadtempfang, wo jeder Werler Bürger einfach hingehen kann!

2 Antworten “UNBEDINGT LESEN! DER „800-JAHRE-LÜGENSTEIN“ AUF WERLER STEUERZAHLERKOSTEN !”

  1. Manfred Such
    10. Januar 2018 am 13:33

    Treffender Kommentar! Der Verfasser bringt es auf den Punkt, was diese Stadt seit Jahrhunderten durch eine von Kirche und Klerus aufgedrückte Politik zu erleiden hat. Die in Stein gemeißelte Verlogenheit auf einem „Gedenkstein“ scheint sich bis auf den heutigen Tag quer duch die Geschichte dieser Wallfahrtsstadt zu ziehen. Man sollte sich dem Aufruf der Werler Protestwähler anschließen und den „Feierlichkeiten“ von und für sich inszenierende Politiker und Kirchenvertreter fern bleiben.

  2. Marc Fischer
    12. Januar 2018 am 10:39

    Gute Nacht,

    in Anbetracht der Gesamtlage der Stadt Werl wundern mich derartige „künstlich geschaffene “ Events.

    Sicher wird der „Stein des Anstoßes“ wieder einige tds EUR kosten. Eine mögliche Entfernung nach Ernüchterung / Besinnung wiederum einige EURONEN.

    Mich wunder auch warum dies nicht zur überregionale Presse gegeben wurde. Hier gibt es doch wunderbare Fernsehsendungen die derartiges gut aufarbeiten.

    In diesem Sinne mal wieder gute Besserung! 😉

    Was und wen muss die Stadt noch alles ertragen! 😉

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